22. Januar 2013

In der letzten Zeit gibt es mal wieder eine Diskussion um die deutsche Sprache. Es geht darum Wörter wie "Wichs"e oder "Neger" aus Schul- und/oder Kinderbüchern zu entfernen, weil sie einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Siehe zum Beispiel hier und/oder hier.

Die ganze Diskussion um dieses Thema ist allerdings sehr zwiespältig, aber die Argumentation des Verlages ("Mit der Zeit ist aber die Einsicht gewachsen, dass die Authentizität des Werks der sprachlichen Weiterentwicklung untergeordnet werden muss") ist auch sehr fadenscheinig. Was hat es denn mit Authentizität zu tun, wenn ein Kinderbuch seine Orginalsprache behält? Vielleicht ist das ganze Buch auch einfach aus der Mode und es ist Zeit für modernere Literatur. Achnee, ist ja ein Klassiker.

Sprache entwickelt sich weiter. Wörter verlieren ihre eigentliche Bedeutung. Eine modernere Sprache gehört auch in die zeitgemäße Literatur. Aber was ist schon zeitgemäß. Gehört es nicht auch zur Bildung, wenn man alte Wortbedeutungen kennt. Zu einem aufgeklärten Verstand gehört auch, die Bedeutung eines Wortes zu kennen, zu verstehen und auch richtig einzusetzen.


Bücher sind Dokumente der Zeitgeschichte. Ihre Sprache passt auf die Epoche, in der sie verfasst wurden. Sie zu ändern, heißt Geschichte zu ändern. Man könnte natürlich argumentieren, dass es ja verschiedene Auflagen gäbe. Aber bekommt man die erste Auflage denn noch? Was sagen Archäologen und Wissenschaftler in 1000 Jahren, wenn sie die Sprache des frühen 20. Jahrhunderts untersuchen wollen und nur noch bearbeitetes Material finden.

Das Wort "Neger" zu entfernen ist eine Art Erziehungsmaßnahme der Wirtschaft an der Gesellschaft. Da wird die Erziehung der Kinder wieder den Eltern entzogen und die Verlage sehen sich in einer Verantwortung, die sie gar nicht haben. Sie haben eine Verantwortung gegenüber der Literatur! Was wäre, wenn jemand die Orginalversion vom Herrn der Ringe ändern wollen würde? Wie groß wäre wohl der Aufschrei?

Man sieht ja wie toll solche Änderungen bei Filmen wie Star Wars oder E.T. aufgenommen werden. Es steht einem Autor nun mal frei, sein Werk zu ändern. Aber Verlagen? Klar, hier ist der Autor tot, aber man muss sich fragen, wie er zu dieser Sache stehen würde. Klar, er würde zustimmen, dass Sprache sich ändert, würde er aber sein Werk ändern? Viele Autoren sind stolz auf ihre Werke wie sie sind.

Gerade in einem Monat, als in Tarantinos Django Unchained jedes zweite Wort "Nigger" ist und alle groß applaudieren, wie historisch akkurat das doch ist, wirkt diese Entscheidung sehr deplatziert. Am Ende machen die Verlage eh was sie wollen. Und als Konsument hat man nicht mal die Wahl zwischen den Auflagen.

Vor dem Hintergrund, dass man heute gebräuchliche Schimpfwörter aus dem allgemeinen Sprachgebrauch weghaben will, ist das vielleicht nachvollziehbar, aber muss man dafür ein Medium beschneiden, das gerade darauf basiert, dass man seinen Kopf benutzt? Ich glaube nicht.

Schade, dass unsere Geschichte um unseren Sprachgebrauch beraubt wird.

Kommentare:

Middlebrotha hat gesagt…

Ich wäre gespannt, was die Leute sagen würden, wenn man aus Sigmunds Freuds Büchern, oder von den -Urdeutschen- Goethe und Schiller alle "Wilden", "Barbaren" "Primitiven" etc. entfernen würde...

Maith hat gesagt…

Wir müssen übrigens im Zuge der Emanzipation auch alle James Bond Filme neu drehen, weil die Frauenrolle nicht in das moderne Bild einen starken unabhängigen Frau passt.

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