17. September 2009

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Mal wieder Stadion und mal wieder unentschieden. Ich wollte nach der letztmaligen Nullnummer in der Qualifikation noch mal ein richtiges Champions League Spiel des VfB Stuttgart anschauen. Wenn man mal in so einer Stadt wohnt, sollte man auch öfter mal ins Stadion gehen.

Der Gegner hieß Glasgow Rangers und das Spiel endete 1:1 unentschieden. Genauso unentschieden wie das Ergebnis spielte auch der VfB. Die erste Halbzeit sah ich sie klar im Vorteil und das Tor war absolut verdient. In der zweiten Halbzeit hörten sie aber auf nach vorne zu spielen und ließen das Tor von Glasgow zu und hätten auch beinahe den einen Punkt noch verspielt.

Ich saß hier:

Es war die Cannstatter Kurve und es war Block B. Das heißt, ich saß bei den richtigen Fans. Die Stimmung war einfach großartig und man musste aufpassen, dass die Anschreier nicht vom Spiel ablenkten. Die Platzwahl war optimal, weil in jeder Halbzeit eigentlich nur auf "unser" Tor gespielt wurde. Für den neutralen Beobachter war das sicher ein ansehnliches Spiel, aber ich war schon insgeheim ein bisschen für Stuttgart... verratet's keinem weiter.

Mit diesem Spiel beende ich auch meine zwei Rundtouren durch das Stadion. Jetzt habe ich ein Ligaspiel, ein Pokalspiel und ein Champions-League-Spiel gesehen. Außerdem saß ich schonmal auf der abgerissenen Untertürkheimer Kurve, heute in der Cannstatter Kurve und außerdem auf der Haupttribüne und der Gegentribüne. Ich denke damit war es das erstmal mit Fußball in nächster Zeit. Vielleicht nochmal, wenn die Nationalmannschaft kommt, das würde wohl noch zur wirklich vollständigen Rundtour mit Spielarten fehlen.

Ich habe mich dann gefragt, was all diese Hardcore-Fans in meinem Block außerhalb des Fußballs machen. Ich kam zu dem Schluss, dass sie ihren ganzen Durst nach Wettbewerbsgefühl, nach Beleidigungen für den Gegenspieler und die gegnerischen Fans und nach Antrieb für ihre Mannschaft statt für sich lieber für eine eigene Sportart benutzen sollten. Wenn alle diese Hardcore-Fans selbst Sport machen würden, hätten wir in den ganzen Sportarten viele tolle Leute, die sich selbst super anfeuern können und einen tollen sportlichen Wettbewerb bieten könnten. Aber anstatt dessen sitzen sie lieber Woche für Woche im Stadion und beleidigen den Gegner ("You're shit and you know it" *kopfschüttel*). Nunja, ich will keinen von ihnen verallgemeinern, aber ich kann mir vorstellen, dass viele nicht viel anderes außer Fußball in ihrem Leben haben.

Ich hatte mich letzte Woche dafür entschieden und die Karten kurzfristig bei Ebay ersteigert. Obwohl ich das Geld sofort überwiesen hatte und die Verkäufer mir versicherten, dass sie sie sofort am Freitag losgeschickt hatten, kamen sie erst heute bei mir an. Da kam ich schon etwas ins Schwitzen, ob ich den Betrag, der viel mehr war, als die Karten wirklich kosteten, in den Sand gesetzt hatte. Ich frage mich, ob Ebay da eventuell sogar eine Regelung für Tickets und Karten hat, wenn der Verkäufer sie versäumt rechtzeitig loszuschicken und sie erst am Tag danach ankommen. Wäre sinnvoll, denn ich finde schon, dass man da sein Geld zurückverlangen könnte.

Heute hat auf jeden Fall alles geklappt und ich bin sehr froh darüber. Es war ein spannendes Spiel mit grandioser Stimmung. Nur beim Ergebnis war es halt unentschieden... genauso wie der VfB heute...

16. September 2009

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Stuttgart: 1. Glasgow: 0.
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Gestern war wieder Kinodienstag in Stuttgart. Das Ziel: Der sagenumwobene District 9. Man hatte schon viel von ihm gehört und eigentlich nur positives Feedback mitbekommen und trotzdem wusste man nicht so richtig, wie der Film wird. Ich freute mich sehr darauf.

Vorher ging es nach langer Zeit mal wieder ins Vapiano gegenüber vom Metropol. Das Essen war gewohnt super und diesmal habe ich mich auch echt gut mit meiner Köchin "Rita" unterhalten. Sie war ziemlich lebhaft und ich fand es echt cool und vor allem aber sehr nett, wie sich angeregt mit ihren Kunden unterhielt. Das war eine sehr persönliche Note und macht so einen Besuch sehr angenehm.

Ich schleppte meinen Mitbewohner mit. Als ich ihm letzte Woche erklärte, worum es in dem Film ging, war ich ziemlich überrascht, dass er sofort sagte, dass er mitkommt. Eigentlich wusste ich, dass das Thema eigentlich nicht in seinen Filmpräferenzen liegt. Als wir dann vor dem Kino standen und er das Plakat musterte, meinte er auf einmal "Waaaaaaaas? Da kommen UFOs drin vor?" und ich wusste sofort, dass er nicht wirklich zugehört hatte. Allerdings glaube ich, dass er es nicht bereut hat.

Vor dem eigentlichen Film kam Werbung und soweit ich mich erinnere kein einziger Trailer. Das ist bitter, denn ich bezahle eigentlich Geld, damit ich einen guten Film sehe und werde dann trotzdem noch mit Werbung zugeballert, ohne die Möglichkeit zu bekommen zu entscheiden, wann ich das nächste Mal ins Kino gehe. So wahrscheinlich gar nicht, denn ich weiß ja nicht, was als nächstes kommt. Das wirklich erschreckende war aber die Art der Werbung: Wahlwerbung. Da will man einen Abend mal abschalten, in andere Welten abtauchen und einfach nur Weg von der Welt da draußen und bekommt Wahlwerbung vorgesetzt. Und dafür hab ich auch noch Geld bezahlt.

Da war da also dieser Stefan Kaufmann, dessen Werbung für sich ist, dass er Stuttgarter ist und alle anderen ernstzunehmenden Kandidaten nicht. Cem Özdemir zum Beispiel kommt aus Berlin. Und Stefan regte sich also auf, dass jedes Mal, wenn Cem nach Stuttgart kommt, Cem fliegt und Bonusmeilen bekommt. Ist da nicht ein großer Logikfehler, Stefan? Denn wenn du in Stuttgart wohnst, dann musst du jedes Mal nach Berlin fliegen und bekommst auch Bonusmeilen. So eine schwache Argumentation erwarte ich von Kindergartenkindern und nicht von Politikern, die dieses Land regieren wollen.

Aber genug. Es ist Zeit für den Sprung in eine andere Welt, in den District 9. Eigentlich ist es ja unsere Welt im Jahre 2010. Gleich am Anfang wird die Prämisse umrissen: Vor 20 Jahren erschien ein UFO über Johannesburg in Südafrika und blieb dort hängen. Nachdem nichts passiert, entscheiden die Menschen in das UFO einzudringen. Dort finden sie über 1 Million ausgehungerte Aliens, die sie auf die Erde siedeln, in den sogenannten District 9. Sprung in die Gegenwart des Filmes. Die Menschen sind aufgebracht, es gibt rassistische Übergriffe und die Aliens werden angefeindet. Sie sollen umgesiedelt werden, weg von den Menschen. Wikus van de Merwe übernimmt die Verantwortung die Umsiedlung durchzuführen. Dass das nicht läuft wie geplant kann sich jeder wohl denken.

Die Themen von District 9 sind Zwangsumsiedlung und Fremdenfeindlichkeit, dabei stehen die Aliens nur als Sinnbild für die Menschheit. Kein anderes Land hätte hier Schauplatz sein können als Südafrika. Vor dem Hintergrund der Apartheid in diesem Land bleibt dem Zuschauer nichts anderes übrig als die Seite der Aliens zu ergreifen. Der Regisseur Neill Blomkamp verarbeitet hier seine eigene Vergangenheit in seinem Heimatland Südafrika und seine eigene Erfahrungen. Er zeigt dabei aber nicht auf die Ursachen des Rassenhasses, sondern auf die Auswirkungen. Und Blomkamp will, dass wir für die Unterdrückten fühlen. Er hält der Menschheit den Spiegel vor und zeigt das ganze hässliche Ausmaß von Xenophobie.

Der Film ist 3-Wege-Kino. Er unterteilt sich klar in 3 unterschiedliche Stile: Den in Form einer Dokumentation, den des Politikums und den das klassichen Actionfilms. Verbunden mit einer tollen Spannungskurve, die mich bis um Ende gefesselt hat, ist District 9 für mich bisher der beste Film des Jahres.

Die erste halbe Stunde sind für mich filmisch die perfektesten 30 Minuten seit Jahren. In Form einer Doku wird gezeigt, wie die Menschen die Umsiedlung vorbereiten und die Aliens darüber informieren. Der visuelle Stil ist kommt einer Doku so sehr gleich, dass man sie glatt auf dem Discovery Channel senden könnte. Dabei kommt die politische Situation, der Hass der Menschen und die Misere der Aliens so deutlich rüber, dass man sofort gefesselt ist. Warum bleibt man an einer echten Dokumentation hängen? Weil sie fasziniert. Und hier haben wir die faszinierendste halbe Stunde der Filmgeschichte. Da passt einfach alles: Die Kameraführung, der Soundtrack, das politische Thema, die menschlichen Reaktionen der Aliens und der Menschen, der Symbolcharakter und die Schauspieler. Wow.

Die Mitte des Filmes entwickelt sich zur rasanten Verfolgungsjagd und es wird aufgeklärt, hinter was die Menschen eigentlich her sind und das in erschreckender Weise. Da wird dem Zuschauer das ganze grausame Ausmaß der "Menschlichkeit" klar und er wird vollends auf die Seite der Aliens gezogen. Hier wird der Spannungsbogen auf das Maximum gespannt, damit er im letzten Teil losschnippen kann.

Dort wandelt sich der Film in einen klassischen Actionfilm, bei dem es einem kaum mehr im Sitz hält, weil es so spannend ist, wie es letztendlich ausgeht. Verrückt ist dabei, wieviele Statisten da auf grausamste Art und Weise ihrem Schicksal begegnen und einem das als Zuschauer so egal ist, weil man im zweiten Teil gesehen hat, was die Menschen mit den Außerirdischen machen.

District 9 endet sehr passend - mit einem offenen Ende. Man weiß nicht was als nächstes passiert, dabei nennt der Film selbst die 3 möglichen Szenarien. Der Zuschauer darf sich für eines entscheiden. IMDB sagt, dass es insgesamt 6 verschiedene Endsequenzen gibt. Und ich will sie alle auf der DVD sehen. Oder besser nicht?

Ganz entfernt hat mich District 9 ein wenig an City 17 aus Half-Life 2 erinnert und während den Actionsequenzen hatte ich auch ein paar Mal das Gefühl, dass das Spiel ein paar Vorlagen geliefert hat. Die deutlichste Anspielung war dabei die Gravity Gun mit einem sehr "kreativen" Geschoss.

Der Film hat eigentlich für jeden etwas und genau dieser Mix macht den besonderen Reiz aus. Jeder kommt eigentlich auf seine Kosten, und selbst wenn man nicht auf Action steht, kann man bei den intesiveren Szenen einfach nur mitfiebern, was passiert und wie es ausgeht. District 9 ist so spannend, wie schon lange kein Film mehr, denn in so einem Film kann einfach alles passieren. So muss ein Film aussehen. Da passt einfach alles. Er hat alles, was man sich wünscht: Story, Thema, Schauspieler, Soundtrack, Bilder, Kameraführung und vor allem eins: Herz.

5 von 5 Sternen.

15. September 2009

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... bräuchte man 40000 Bäume. Mehr als doppelt soviele als im Central Park stehen.

... bräuchte ein einzelner Drucker 3805 Jahre. Wenn jeder in den USA den Anteil des Netzes ausdrucken würde, bräuchte man 6 Minuten und 36 Sekunden.

... bräuchte man Papier von der Fläche von 1813 Quadratkilometern. (Die Hälfte von Long Island)

... bräuchte man 45 Millionen Druckerpatronen für insgesamt eine halbe Million Liter Tinte.

... würde das gebunden ein Buch ergeben, das etwa 725 Millionen Kilogramm wiegt und etwa 3 Kilometer dick wäre.

... bräuchte man 57000 Jahre (nonstop, 24/7/365), um es einmal gelesen zu haben. Wenn man es nur 10 Minuten vor dem Einschlafen lesen würde, bräuchte man 8219088 Jahre.


Wow! Ziemlich große Zahlen. Die sind aber noch beeindruckender, wenn man sie sich grafisch als Poster aufbereitet bei meiner Quelle ansieht. Wirklich schöne Poster sind da bei Creative Clound entstanden. Es lohnt sich.
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Heute stieß ich auf das Portal stuttgart-city24.de. Am Anfang dachte ich, es handelt sich nur um so ein langweiliges Standard-0815-Stadtportal, wie es im Web so viele gibt, aber dann stieß ich auf die nicht verlinkte Unterseite für Blogs. Dort werden von einem Aggregator brav Blogeinträge über Stuttgart gesammelt. Welche Kriterien er dabei verwendet, ist mir nicht ganz klar, aber es ist trotzdem eine nette Sache, damit man auch mal wirklich aktive Blogs über Stuttgart findet. Leider ist da kein RSS-Feed. Das Symbol dafür ist zwar da, allerdings ist es nicht verlinkt. Vielleicht befindet sich die Seite ja im Aufbau.


Meinen bisherigen Stuttgart-Fix hole ich mir sonst beim Stuttgart Blog, allerdings ist der etwas reglementiert und von den Autoren nicht so häufig frequentiert. Zusätzlich dazu gibt es noch eine Linkliste mit fast 300 Einträgen auf kunzelnick.de, in die es sich lohnt alle 1-2 Wochen mal reinzuschauen. Dort gibt es viele Blogs und Material, wovon einige allerdings nicht mehr so aktiv sind.

Natürlich muss man auch da sorgfältig auslesen, um den persönlichen Geschmack zu treffen.

14. September 2009

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Das TV-Duell ist vorbei, es lebe das TV-Duell. Nachdem gestern Nörgel und Gähnmeier kurz davor waren zusammen in die Kiste gesprungen wären, waren heute die Hitzköpfe der Opposition dran. Die ARD hatte Guido Westerwelle, Jürgen Trittin und Oskar Lafontaine eingeladen. Ich hatte erst 5 Minuten vorher erfahren, dass dieses Duell überhaupt stattfindet und habe glatt den Anfang etwas verpasst.

Was war besser als gestern? Einfach alles. Die Moderatoren, Sigmund Gottlieb und Jörg Schöneborn, wirkten kompetenter, vorbereiteter und ließen die Kontrahenten weitesgehend ausreden. Die sich gegenseitig manchmal nicht. Nur einmal wird eine Frage an Lafontaine vom Moderator beantwortet, nämlich die ob er regieren will. Ja, meint der Moderator. Lafontaine nimmt die Frage mit Humor und bezichtigt den Moderator der Ironie. Und er hat ja Recht, denn keine Partei will mit den Linken koalieren. Außerdem ist der gute Oskar doch Landespolitiker.

Die positiven Punkte der drei Kandidaten kurz angerissen:

Jürgen Trittin
  • Er will den Soli in die Bildung stecken
  • Er ist Fan von Werder Bremer und Özil... klar die sind ja auch grün
  • Er bringt gute Argumente für Bildungspolitik auf Bundesebene
  • Schwarz-Gelb sind Signalfarben für Atom und Strahlung
  • Er hält Guido Westerwelle nicht für den Teufel... einen Faust-Deal können wir wohl ausschließen
Oskar Lafontaine
  • Die Linke bringt gute Vorschläge in den Bundestag ein, die auch die anderen Parteien unterstützen würden. Tun sie aber nicht, anscheinend weil der Vorschlag von den Linken kommt
  • Er wirft dem Moderator Altersrassismus vor und fordert einen flexiblen Renteneintritt
  • Er liest die Programme der anderen Parteien
  • Er hat Recht, dass Guido viele seine Argumente nicht so bringen würde, wenn er Landespolitiker wäre. Da beweist er echte Erfahrung
Guido Westerwelle
  • Er liebt Frankreich ([Scherz]WER zum Geier liebt Frankreich?[/Scherz])
  • Auch er ist für den flexiblen Renteneintritt
  • Sobald die Kamera auf Guido hält während ein anderer spricht, schüttelt er den Kopf. Sonst wirkt er etwas steif.
  • Dieser Staat gibt gerne Geld aus für die Vergangenheit oder deren Erhaltung
  • Er beging keinen Wortbruch, als er nicht in die Ampelkoalition 2005 einstieg. Er wollte Rot-Grün verhindern.
Der letzte Punkt ist interessant. Das findet auch der Moderator. Denn ist das nicht eigentlich Betrug am Wähler? Der Wähler, der bei der FDP sein Kreuz macht, will, dass die FDP Regierungsverantwortung übernimmt und dann lehnt Guido Westerwelle das ab. Was sagt das über die Sichtweise der FDP auf ihre Wähler aus? Hmm...

Insgesamt wirkt das Duell dynamisch. In vielen Fällen sind die Ansätze gleich, die Lösungswege unterschiedlich. Oft widersprechen sie sich, manchmal stimmen sie überein. Insgesamt wirkt Jürgen Trittin fachlich am Besten. Er ist gut vorbereitet, hat gute Argumente und Vorschläge und hat mehr als die heiße Luft der gestrigen Kontrahenten zu bieten. Westerwelle ist gewohnt bissig, aber das hilft nichts, wenn Argumente zählen und nicht nur gebelle. Das Moderatoren-Duo ist viel besser als die 4 Möchtegerns gestern... und auch als die Kandidaten.

Im Nachbarstudio wird gebohrt, wenigstens sind dort die Jobs sicher. Bin gespannt, welche Sendung dort gemacht wird. Das wirkt auf jeden Fall näher am Zuschauer als die sterile Umgebung gestern. Das Duell war super. Es lassen sich leichte linksgrüne Tendenzen erkennen. Der Abschluss des TV-Duells sind so überraschend wie denkwürdig: Es gab keinen. Somit war dieses Duell ein wirkliches Duell und es war die nötige Veranstaltung, denn dort waren die Koalitionspartner am Werkeln. Das Endergebnis der beiden Duelle ist wohl Schwarz-Gelb oder eine Verlängerung der großen Koalition.

Meine neuen Lieblingswörter nach gestern und heute: Weltpolitik und Deutschlandprogramm. Großartig.

13. September 2009

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Ich sitze hier gerade und es ist still. Der Fernseher ist aus. Das TV-Duell ist vorbei und es war nicht mehr als eine, wie ich es nenne, WOT. Eine Waste-Of-Time. Von Langweile geprägt zog es sich unnötig in die Länge. So kam es einem jedenfalls vor. Günther Jauch sagte hinterher, es war eine Werbeveranstaltung für die große Koalition, bei der jeder seine persönlichen Erfolge hervorhebt. Meiner Ansicht nach traf er damit genau ins Schwarze.

Aber spulen wir mal zurück...

Es ist 20.15 Uhr. Das Duell steht kurz bevor und man muss sich für einen Sender entscheiden. In der ARD diskutieren politische Vertreter (Edmund Stoiber und Klaus Wowereit) mit bekannten Gesichtern aus dem Fernsehen (Anne Will und Günther Jauch) - bei RTL wird gezeigt, was die beiden Hauptdarsteller vor der Übertragung essen. Die Prioritäten sind klar, die Entscheidung schnell getroffen. Die ARD ist mein Favorit, am Ende ist es sowieso egal.

Die Moderatoren sind die üblichen Verdächtigen, ich hatte nur Angst, dass es eine Frank-Plasberg-Show wird. Es wurde keine. Es wurde eine Moderatoren-Show. Während des gesamten Duells machten es alle Plasberg nach und unterbrachen die Kandidaten, redeten dazwischen oder ließen sich auf eine Diskussion ein. Das war überhaupt nicht deren Aufgabe. Sie sollten Fragen stellen. Diese ganzen Plasbergischen Unterbrechungen sorgten schonmal für eine miese Grundstimmung und eine extreme Genervtheit, nicht nur bei mir sondern auch sichtlich bei den Kandidaten.

In einer Mehrparteien-Demokratie wie bei uns in Deutschland ist ein TV-Duell mit nur 2 Kandidaten sowieso sinnlos, da es viel mehr zu hören und zu diskutieren gibt, als nur die Meinungen der beiden großen Volksparteien CDU und SPD. Vor allem, wenn diese gerade aus einer Großen Koalition gibt, bei der beide gut zusammenarbeiteten und die Kandidaten wahrscheinlich mehr als nur großen Respekt füreinander haben. Merkel und Steinmeier mussten die vier Jahre so eng zusammenarbeiten, dass jeder die Qualitäten des anderen zu schätzen weiß. Und genauso verlief die Veranstaltung auch. Es war ein Duett und kein Duell.

Geschaut habe ich das Duell von meinem Schreibtisch - mit meinem Mitbewohner auf der Couch, mehreren Diskussionspartnern im Chat und Twitter. Allerdings musste ich Twitter bald wieder einstellen. Bei sovielen Tweets entsteht keine Diskussion, sondern eher eine Schulhof-Stimmung, bei der jeder gerade reinschreit was er denkt. Bei so einem Ereignis ist Twitter zur Kommunikation völlig ungeeignet, einzig und allein für lustige oder aufklärende Kommentare war es gut.

Wir mussten feststellen, dass Peter Kloeppel etwas alt geworden ist und langsam ergraut. Könnte ihm stehen, wenn er dazu steht. Ich hatte gehofft, dass er noch ein paar Fragen zur außenpolitischen Lage in Lampukistan stellt, aber dem war nicht so. Bei seiner ersten Frage musste Frank Plasberg natürlich gleich provozieren und unterbrechen, in feinster Hart-aber-Fair-Manier. Dass alle anderen Moderatoren auf diesen Zug aufspringen war zu der Zeit noch nicht abzusehen. Angela Merkel begann mit exakt den gleichen Worten, die sie am Freitag in Stuttgart an die Leute richtete. Standardtext also...

Ein Moderator fragt, warum Frau Merkel eine Frage nicht wirklich beantwortet. "Ich beantworte meine Fragen, so wie ich das will." Ich ergänze "Und wenn ich sie dabei nicht beantworte!" Insgesamt wird viel ausgewichen und kaum eine Frage wirklich beantwortet, aber das kennen wir ja von anderen TV-Duellen. Da wünscht man sich doch etwas Obama-Mentalität herbei. "Change" und "Yes, we can!" möchte man den beiden zurufen. Die Bundeskanzlerin wirkt zum Anfang etwas schlecht gelaunt, klar nach dem Empfang in Stuttgart ;)

Laut Steinmeier (Steini, wie ich ihn im Chat nenne) ist die Krise in den Köpfen der Menschen vor allem eins: Unterbelichtet. Oder meint er damit die RTL-Zuschauer? Aber wir wollen nicht verallgemeinern. Immerhin wirkt Steini extrem kompetent und vorbereitet. Die erste Hälfte gehört fachlich ihm, oder jedenfalls von der Redekunst. Fachlich kommt ja nicht viel dabei raus. Merkel meint, dass alle guten Gesetze aus Zeiten kommen, in denen die CDU an der Macht war. Schlechte Gesetze hat niemand gemacht, oder so...

Frank Plasberg lacht, Steinmeier weist ihn zurecht. Verstanden hat der Moderator das Wohl nicht. Anscheinend scheinen sie den ganzen Abend nichts zu verstehen. Peter Kloeppel liest einen Satz korrekt vor, verdreht ihn dann und meint hinterher, er verstehe es nicht. Moderne Rhethorik. Ich hoffe, dass wenigstens die Bild-Zeitung ihre Verdreher noch versteht. Beim Fernsehableger RTL ist das nicht so. Fernsehen ist sowieso ein schnelllebiges Medium, da ist sowas beim gemeinen Zuschauer vergessen. Im Netz wird es wohl irgendwo bei Youtube hängen bleiben. Das Netz vergisst nichts. Auch Maybrit Illner zeigt Ansätze von gewisser Inkompetenz. Nur N24-Mann Peter Limbourg hält sich damit etwas zurück. Dafür unterbricht auch er munter weiter.

Ich eliminiere ein paar Nebensätze aus Frau Merkels Schachtelsatz und zurück bleibt die Aussage: "Jeder, der sich was zuverdienen will, ist wichtig für unser Land." Ja Frau Merkel, wir sind im Kapitalismus. Steini meint zu dem Thema "Jeder, der den ganzen Tag arbeitet, muss von dem Lohn leben können." Recht hat er. Die Redezeit wird zum ersten Mal eingeblendet. Beide liegen gleich auf. Ein Chatpartner meint, dass Steinmeier mehr gesagt hätte - von der Zeit her, nicht inhaltlich.

Zum Thema Opel meint Steini, dass der Konzern mit einer schwarz-gelben Regierung tot wäre. Merkel widerspricht. Steini redet weiter und auf einmal ergänzt die Kanzlerin seinen Satz. Es herrscht pure Harmonie. Sieht so ein Duell aus?

Es ist fast Halbzeit und das Thema Atomkraft steht an. Es ist für mich ein schwieriges Thema. Denn ich finde Atomkraft ist eine der saubersten, effizientesten, und sichersten Energiequellen, die wir haben. Das führen sich aber viele Leute nicht vor Augen. Vor allem wenn es einen kleinen Defekt gibt, dann ist das Geschrei groß. Ich möchte nicht wissen, wieviele Sicherheitsverstöße es in Kohlekraftwerken gibt. Das Problem sind die Restprodukte der Kernenergie. Aber anstatt die in unsere Erde zu tun würde ich sie lieber in die Sonne schießen. Überhaupt: Das ganze Müllproblem würde ich auf Raketen packen und in die Sonne schießen. Ein gigantischer Müllschlucker, der nur 8 Lichtminuten entfernt ist und wir nutzen ihn nicht, weil es wohl zu billig ist. Nunja, meine Meinung bleibt: Lieber Atomkraft als den Ruß von Kohlekraftwerken in unserer Atmosphäre und Luft zum Atmen.

Merkel verhaspelt sich "... Arbeitnehmer und Arbeitnehmer ...". Das einfache Volk muss doppelt angesprochen werden. Als Steini zu dem Thema redet schaut sie öfter etwas verstört herüber. Ein Blick wie ein Terminator. Sie sollte Arnold anders herum machen, erst Politik, dann Hollywood. Für jeden verrückten Kampfroboter aus der Zukunft ist sie geeignet. Frank Walter hat dagegen pechschwarze Augenbrauen. Ob die gefärbt sind, fragen wir uns im Chat. Naja, auf jeden Fall gezupft. Das Moderatorenteam fragt, warum die Regierung jede dreckige Kneipe schließen kann, aber keine Bank. Weil in der Bank Geld liegt und nicht nur Dreck wie in der Kneipe, Herr Plasberg.

Schon wieder stimmen beide überein. Angela Merkel nickt zu Steinis Ausführungen sogar mit einem Lächeln. Ich finde, sie sollten beide Kanzler werden. Co-Kanzler, quasi. Steinmerkel. Dann aber bitte ohne Streit wie bei Scrubs gestern auf Pro7. Apropos Pro7, ich bin immer kurz davor auf den Simpsons-Film umzuschalten. Den hab ich zwar schon gesehen, ist aber trotzdem nicht so vorhersehbar wie dieses "Duell".

Maybrit Illner wirkt unvorbereitet. Gerade fällt ihr auf, dass Linkspartei und SPD Schnittmengen haben. Schön, dass ihr auffällt, dass beide Parteien links ausgerichtet sind, historisch die selben Wurzeln haben und soziale Demokratie auf ihren Fahnen wehen haben. Bei Twitter wuselt es kräftig. Da ist auch von Langeweile die Rede, aber vor allem von Ärger über die sinnlosen Moderatoren. Peter Kloeppel fragt, woher Wachstum kommt, ein Twitter-User empfiehlt ihm ein VWL-Buch zu lesen. Ein anderer meint, dass dieses "Duell" brutto wie netto eine Unverschämtheit für jeden ist, der (noch) selbständig denkt. Man möchte ihm beipflichten, der in der schieren Masse der Tweets geht es unter.

Es ist fast halb 10 und Steini wirkt jetzt vor allem genervt von den ständigen Unterbrechungen der Moderatoren. Immer wieder zuckt er zusammen wenn Plasberg mit Sprüchen kommt wie "Ich möchte nur ungern stören", wo wir doch alle wissen, dass Stören sein Beruf ist. Aber Frank Walter merkt schnell, dass auch die Kameras seine Laune nach außen transportieren. Er versucht sich zu bessern. Er lacht und grinst in die Kamera und das hält er sogar bis zum Schluss durch. Glänzte er in der ersten Halbzeit mit fachlicher Kompetenz, so glänzt er in der letzten halben Stunde mit Karisma und breitem Lächeln.

Bei einer Aussage Merkels zückt er den Stift und schreibt etwas auf. Ich bin überrascht. Im Chat versichert man mir, dass sie keine geschriebenen Fakten mitnehmen durften. Das durften die Moderatoren, allerdings scheinen sie davon keinen Gebrauch machen zu wollen. Dummes Geschwätz kommt nur aus der Ecke des Vierergespanns. Angela Merkel verteilt keine Posten vor der Wahl. Hoffen wir, dass sie es nach der Wahl auch nicht braucht. Trotzdem wird sie nach dieser Aussage noch zwei Mal gefragt, wie sie denn verschiedene Ministerposten besetzen wolle.

Die Moderatoren sind anscheinend unzufrieden, zu viel Übereinstimmung. Steini kontert: In der Vergangenheit stimmen beide überein, für die Zukunft haben sie unterschiedliche Vorstellungen. Und wieder hat einer der Kandidaten recht und die Moderatoren sehen schlecht aus. Angela Merkel hat dafür mit ihrer Aussage Recht, dass die SPD im Moment nicht so richtig weiß wohin. Das ist sicher auch für manche Leute ein KO-Kriterium bei der Wahl. Frank Walter redet, ein Moderator unterbricht ihn, der wiederum von einem anderen Moderator unterbrochen wird. Das wirft wirklich kein gutes Licht auf unsere Journalisten.

Auf die Linkspartei angesprochen greift Merkel Steinmeier an: "Sie sagen: Nur über meine Leiche. Und wir beide wissen, wie schnell das in der SPD gehen kann." Ein Punkt für die Kanzlerin und wahrscheinlich die erheiterndste Aussage des Abends. Das Duell neigt sich dem Ende. Schlusssatz: Keine Verlängerung, keine Verletzten. Das ist gelogen. Ich bin verletzt. Das Duell ist vorbei. Endlich.

Inhaltlich war von vorneherein klar, dass nicht viel dabei heraus kommt. Hier ging es nur darum sich vor dem breitesten aller Publikume zu präsentieren. Für viele Menschen wird das die erste und einzige Berührung mit dem Wahlkampf in diesem Jahr sein und deshalb ist es schon wichtig etwas zu sehen. Dass nur 2 Parteien eingeladen werden ist absolut unverständlich und in einer Demokratie wie unserer absolut unverantwortlich von den Medien. Wir haben kein Zweiparteiensystem und es gibt mehr Kandidaten als Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier. Ich hoffe, dass das vielen Menschen klar ist.

Da kein richtiges Rede-Duell entstand, war die Veranstaltung etwas langweilig. Besonders nervig waren allerdings die 4 Moderatoren der beteiligten TV-Stationen. So etwas unverschämtes und unsittliches Verhalten habe ich kaum erlebt. In so einem Duell, wo jeder nur 90 Sekunden hat, da auch noch zu unterbrechen mit belanglosen oder völlig sinnfreien Fragen. Das hat nicht nur die Kandidaten genervt, sondern vor allem mich. Diese Moderatoren haben eine Vorbild-Funktion, der sie heute absolut nicht gerecht wurden. Es ist also ok in Debatten dazwischen zu reden, oder was? Absolut unterstes Niveau, das aus einer langweiligen auch noch eine frustrierende Sendung machte. Bitte nie wieder. Kloeppel: Fail. Illner: Fail. Limbourg: Fail. Plasberg: Uber-Fail. Ihr seid die wahren Helden der Nation. Herzlichen Glückwunsch. Die Bundeskanzlerin und ihr Vize-Kanzler haben sich dagegen recht beachtlich geschlagen, in Fragen, die relevant waren.

Fazit: Ein solches Duell muss in so einer Konstellation nicht mehr stattfinden. Kuschelkurs war angesagt und nur in wenigen Fragen kam hitzige Debatte und Duell-Feeling auf. Das nächste Mal bitte ohne diese nervigen Moderatoren, die an diesem Abend die Bezeichnung "Journalist" nicht verdient haben. Ich sah Steinmeier etwas vorne, meine Stimme haben beide nicht. Hinterher wird jedes Lager den Sieg für sich reklamieren und die Diskussionen darüber so belanglos wie das Duell selbst. Die Abschlussreden von beiden ergaben sich ja auch nicht aus dem Duell, sondern waren einstudiert. So funktioniert das...

Ich würde so ein Duell nur noch gerne wieder sehen, wenn es eine Parodie von Switch Reloaded wäre. Da haben die Autoren doch hier sicher großartiges Material gefunden.